Samstag, 10. April 2021

Impfbestätigungen zu Abreißen

Handsignierte, datierte Dokumente von Anna und  Lisa hingen bis gestern noch verteilt im Stadtgebiet von Münster - einfach zum Abreißen - und was für nützliche Dokumente!

Die Papiere der Begehrlichkeit -
endlich geimpft mit Brief und Siegel sein
- und mit dieser Bescheinigung das Leben wieder ganz normal laufen lassen. 

Wären da nicht im Kleingedruckten die Datumsfallen eingebaut und der vaxine Schuß ins Jahr 2025 hineingeschoben.....und schwups wird aus dem abgerissenen Papier ein Stück vom Grauen dass es immer so weiter gehen könnte.


Bitte beachten Sie stets die Dinge, an denen Sie sonst vorbeilaufen!
und auch das Kleingedruckte!

Herzlichen Gruß für den Kurs,
und GLÜCK AUF bald!

wünscht Ihnen Ruppe Koselleck
für den Satellit Kunstverein


EIN STÜCK VOM GLÜCK ist ein Kooperationsprojekt mit der Q1 vom Gymnasium Paulinum / Jutta Lohaus und Ruppe Koselleck für KULTUR UND SCHULE
 

Take a Deeper Look

 

Ihren hammerschlaglacklackierten Koffer versteckte Pia am Aassee
an den neuen Treppen zurück, wo er eben nicht mehr lag, als ich vorbeiging....

Pia N. betonte in einem Gespräch zuvor, daß sie die Intention hatte, den Finder in einer Zeit der Unruhe und Beklemmung zu ermutigen, den Blick auf das wirklich Wichtige im Leben zu richten und das Positive nicht aus den Augen zu verlieren.

Die aufmerksame Finderin oder der glückliche Flaneur hatte das Vergnügen in die Tiefen eines fantastischen Briefwesens abzutauschen. Wer immer das gefunden hat, ist ein Stück reicher geworden!

Und ich gebe es zu - sehr gerne hätte ich es am ersten Tag gefunden, aber der Ort war klug gewählt - EINFACH GUT ZU ÜBERSEHEN - und ich denke Pia´s grauer Handschriftenkoffer und Messanger-Save "Take a Deeper Look" wird bis zum Ostereiersuchen überdauert haben! FINDERGLÜCK!

Bitte beachten Sie stets die Dinge, an denen Sie sonst vorbeilaufen!

Herzlichen Gruß für den Kurs,
und GLÜCK AUF bald!


wünscht Ihnen Ruppe Koselleck
für den Satellit Kunstverein


EIN STÜCK VOM GLÜCK ist ein Kooperationsprojekt mit der Q1 vom Gymnasium Paulinum / Jutta Lohaus und Ruppe Koselleck für KULTUR UND SCHULE

Donnerstag, 8. April 2021

Fancy Food


Ganz am Anfang einer innerstädtischen verkehrsberuhigten Konsumzone auf dem grauen Stromkasten vor einem bekannten Schnellrestaurant liegt eine rotlackierten Box und wartet auf seine Entdeckung.


Und einmal aufgeklappt, kann man
wie hier inszeniert einen fachgercht verpackten Burger auf einem Porzellanteller entdecken...und verspeisen....

"Mit diesen Projekt möchten wir den Menschen zeigen, dass man auch in Fast Food- Restaurants mit Manieren essen soll. Es ist nämlich üblich, dass man zum Beispiel in Mc‘Donalds mit Händen isst, dies möchten wir ändern, da auch McDonalds, BurgerKing usw. auch Restaurants sind, wo man sich gut mit Manieren verhalten soll." 

So jedenfalls interpretieren Danial Pasalar Zadeh und Eryk Kazmierczak ihre Sittensatire im öffentlichen Raum - ihre rot lackierte pädagogische Box zur aufmerksamen Weltverbesserung - und verspeisen en passant ein Stück Fleisch in pappigen Brot, verzerren die Perspektiven auf das Gebäuce mit dem gelbem M - davon eines, so wie es das Foto zeigt, von einer braunen Altstadtbeschilderung übertüncht wird.

Der Satellit-Kunstverein dankt Danial Pasalar Zadeh und Eryk Kazmierczak für die Intervention im öffentlichen Raum, wünscht besten Apetit und empfiehlt aktuell für den gesamten Stadtraum von Münster eine erhöhte Aufmerksamkeit walten zu lassen, denn es war die Q1 unterwegs.....

Bitte beachten Sie stets die Dinge, an denen Sie sonst vorbeilaufen!

Herzlichen Gruß für den Kurs,
und GLÜCK AUF bald!


wünscht Ihnen Ruppe Koselleck
für den Satellit Kunstverein


EIN STÜCK VOM GLÜCK ist ein Kooperationsprojekt mit der Q1 vom Gymnasium Paulinum / Jutta Lohaus und Ruppe Koselleck für KULTUR UND SCHULE

Freitag, 26. März 2021

EIN STÜCK VOM GLÜCK

 
Augen auf im öffentlichen Raum von Münster. Seit ganz kurzer und nur für ganz kurze Zeit verteilten Unbekannte Dinge im überall dieser Stadt - irgendwo am Wegesrand als Maßnahme zur allgemeinen Lageverbesserung. 
 

 
EIN STÜCK VOM GLÜCK ist eine Ausstellung für aufmerksame Spaziergängerinnen und Flaneure. Achten Sie also auf umherstehende Schatullen im Gebüsch oder grauflache hammerschlaglacklackierte Bankschließfachboxen auf Parkbänken. Und entnehmen Sie weitere wertvolle Projekthinweise der morgigen Tagespresse vor Ort sowie mit deutlicher Verzögerung auf diesen den Seiten des Satelliten.

....dann kommen die Schüler*innen noch einmal extra zu Wort!


Nützliche prüfungsrelevante Kunst 2021

Bitte beachten Sie stets die Dinge, an denen Sie sonst vorbeilaufen!

 

Herzlichen Gruß für den Kurs,
und GLÜCK AUF bald!


wünscht Ihnen Ruppe Koselleck


EIN STÜCK VOM GLÜCK ist ein Kooperationsprojekt mit der Q1 vom Gymnasium Paulinum / Jutta Lohaus und Ruppe Koselleck für KULTUR UND SCHULE

Freitag, 7. August 2020

IndividuALTERITÄTen

Bild 1: What´s mine

IndiviDUalität – IndividuALTERITÄT - ICHdividualität

Ein Beitrag von Jenny Schwarze aus dem Seminar Schwellenkunst
Fotos, Spielgelungen, Bilder aus der Zeit im Jahr 1 nach Corona

Kurzkonzept:
Wer bin ich und wer bist du? Wo bist du und wo bin ich?
Wo begegnen wir uns, obwohl wir getrennt sind? Wo sind wir getrennt Eins?

Vorab.
Die Grenzen/Schwellen zwischen mir und dir. Die Grenzen/Schwellen zwischen hier und dort. Das Erfassen von flüchtigen Überschreitungen der persönlichen und räumlichen Schwellen. Vermengung der Schwellen und Grenzen. Fließender Übergang lässt Neues entstehen.

Da flüchtige Spiegelungen schwer zu fassen sind, wurden sie mit Hilfe der Kamera eingefangen. Der Blick für das Detail wird geschärft und genaues Hinsehen wird verlangt: Wo bin ich und wo bist du? Wo begegnen wir uns, obwohl wir uns nicht begegnen?

Was wurde erreicht und was vermittelt sich?

Dieses Semester war aufgrund der Corona-Begebenheiten sehr besonders. Die Seminare verliefen online über Videokonferenzen, öffentliche Chats und E-Mails waren die Hauptvermittlungsquellen von Aufgaben und die gesamten Universitätsgebäude waren geschlossen. Wir Studierenden und auch die Dozenten mussten sich von jetzt auf gleich umstellen und anstatt mit seinen Freunden und neuen Bekannten gemeinsam, nebeneinander zu sitzen und der Vorlesung (mehr oder weniger) zu folgen, saß man alleine, mit sich selbst vor einem Bildschirm.

So wurde in dem Seminar zu der Schwellenkunst an der Universität Osnabrück am Anfang das Thema Corona aufgegriffen. Wo liegen Grenzen im öffentlichen und privaten Raum? Wo gibt es Überschneidungen und Parallelen? Durch die Aufgaben über das Semester hinweg, habe ich mich intensiver mit der Schwelle des eigenen Ichs, der Grenze zu dem Du und die potenzielle Vermischung der Individuen und dem Wir beschäftigt; Angeregt durch die Aufgabe der Spiegel- und Fensterscheibenportraits. Ausgehend von dem Gedanken, dass wir in diesen Zeiten oftmals alleine vor unseren Computern in unsren abgegrenzten, von Wänden/Schwellen

Dies ist auch bei Schülerinnen und Schülern gut anwendbar. Es fördert die Selbstrefelxion, das gegenseitige bewusste Wahrnehmen und Begegnen an unterschiedlichen Orten.
umgebenen Zimmern, sitzen, in unserem normalen Alltag aber jeden Tag mit andere Menschen in Kontakt treten. Flüchtige Bewegungen, Begegnungen und Berührungen, die wir nicht einmal bewusst wahrnehmen, wurden aus unserem Alltag gestrichen. Und dennoch sind diese Überschreitungen der persönlichen und räumlichen Grenzen ein fundamentaler Bestandteil unseres sozialen Lebens und lassen für einen kurzen Moment oder manchmal für einen längeren Zeitraum etwas Neues entstehen. Social-Distancing bekommt in den Bildern eine neue Bedeutung zugeschrieben: Wer bin ich und wer bist du? Wo bist du und wo bin ich? Wo begegnen wir uns, obwohl wir getrennt sind? Wo sind wir getrennt Eins?

Folglich werden Schwellen und Grenzen zwischen dem Du, dem Ich und dem Wir aufgegriffen und die Möglichkeiten der Verschmelzung, Abgrenzung und der Parallelen ausgetestet. Vielleicht nur in einem flüchtigen Moment, vielleicht aber auch für eine längere Zeit oder gar für immer. Das heißt, es wird ein Überschreiten von mindestens zwei Grenzen ermöglicht: Die Grenze/Schwelle zwischen Personen (du, ich, wir) und zwischen Orten/Räumen (hier und dort; Trennung durch Scheibe etc.).
(In Corona-Zeiten nochmal spannend aufgrund der Frage nach Sicherheitsabstand oder der Personenanzahl, die sich treffen dürfen).

Bei dem Erstellen der Bilder hat man sich immer ein bisschen bewegt, bis sich Körperteile in Position befinden, dabei ist die Kommunikation manchmal durch die Scheibe hindurch und gedämpft und teilweise unverständlich Die Scheibe ist demnach eine physische Grenze/Schwelle und eine akustische Hürde und dennoch kann die andere Person visuell wahrgenommen werden. Wenn eine Position gefunden wird, in der beide Personen die Schwelle überwinden, muss in dieser verharrt werden. Man ist in gewisser Weise gezwungen den anderen anzusehen, wobei man auch auf sich selber achten muss Zum Teil hat man das Gefühl fremde Glieder (z.B. das Bein) sind die eigenen. Dadurch, dass der Fokus auf diese Details gelegt wird, sieht man sich nie als eigene Person, sondern immer in Verbindung mit dem Anderen.

Die eigene ICHvidualität geht in der IndiviDUalität über und löst sich auf.

Bild 2: Crossing the borders?

Solche Momente nehmen wir in unserem Alltag nicht bewusst wahr. Wir gehen an Schaufenstern in der Innenstadt vorbei und in der Scheibe trifft mein Spiegelbild flüchtig auf das eines Fremden. Sie Überlagern sich, verschmelzen sogar für einen Moment, und dann ist alles wieder vorbei. In Zeiten von Corona sind solche Begegnungen vielleicht die einzigen, die ein Mensch in seinem Alltag hat, denn die Regel lautet weiterhin: Abstand halten.
Doch auch indirekte Begegnungen, sogar Spieglungen sind möglich. Treffen sich die Spiegelungen nicht in einer Scheibe, Spiegel oder ähnlichem, so sind unsere Körper selbst die
Spiegel der Anderen, wenn auch oftmals unbewusst. Auch über andere Grenzen und Schwellen hinweg können wir auf andere treffen.

Bild 3: Stay in contact

Diese Schwellen zwischen der Begegnung, der Verschmelzung und dem Abstand habe ich nun versucht in Bildern festzuhalten. Dabei bin ich sowohl auf die Möglichkeit der Reflexion/Spiegelung in Scheiben gestoßen, aber auch auf Schatten und Licht oder unsere Körper selbst. In manchen Umsetzungen befanden wir uns physisch voneinander getrennt, wurden aber durch die Spiegelung eins (Vgl. Bild 2,3). Das, was vorher eindeutig zu meinem Körper gehört hat, ist nun Teil eines anderen und umgekehrt (Vgl. Bild 1). Es ist nicht mehr klar ersichtlich, wo die Grenzen und Schwellen zwischen dem Ich und dem Du sind: Sie wurden in einem flüchtigen Augenblick festgehalten und bilden so in einem Foto etwas Neues. So wurde auch die Grenze des Augenblicks überschritten und die Körper sind auf dem Bild für die Ewigkeit eins, während sie im Leben weiterhin getrennte Wege gehen.

Auch habe ich versucht nicht nur die körperlichen, sondern auch weitere Grenzen miteinfließen zu lassen (Vgl. Bild 1, 4). So bildet der Fensterrahmen in dem ersten Bild auch eine Grenze, die die Gesichter der Personen verdeckt. Die Schwelle der eigenen Persönlichkeit wird
überschritten und die Identifizierbarkeit des Betrachters wird angeregt. So wird auch hier eine weitere Schwelle überwunden und die dritte Person, die den flüchtigen, festgehaltenen Augenblick betrachtet, wird integriert: Wer bin ich und wer bist du? Wo bin ich und wo bist du?

 

Bild 4: Can’t touch this                                    

Eine solche physisch tastbare und visuell erfassbare Grenze wird auch in dem vierten Bild ersichtlich. Hier habe ich allerdings mit der Spiegelung des menschlichen Körpers gespielt: Die beiden Finger, die eine Grenze umfassen wollen, es ihnen aber aufgrund der Beschaffenheit des Glases nicht gelingt, stehen sich so gegenüber, dass es aussieht, als würden sie sich spiegeln. 

Bild 5: Whish you were here

Sie versuchen eine Grenze zu überschreiten, indem sie diese Grenze umklammern wollen, überschreiten aber dabei die Grenze zwischen dem Ich und dem Du, und wo man sich befindet.
 

Bild 6: Borders between us


Das Überschreiten der Grenzen zwischen Du und Ich (auch, und besonders in Zeiten von Corona) wird in den Titeln der Bilder aufgegriffen. Sie alle stehen in Verbindung mit der eigenen und der fremden Identität, greifen aber darüber hinaus auch den physischen Abstand auf. Die Titelvergabe auf Englisch ist einerseits eine Anspielung auf die Internationalität und das weltweite Corona-Geschehen und die hiermit einhergehenden Grenzen. Andererseits spielt sie auch auf den „feed“ an, der uns täglich (und unter Corona-Bedingungen noch präsenter) in den „social media“ begegnet und dabei helfen soll, die durch Social-Distancing gezogenen Grenzen zu überwinden.

Der Titel „IndiviDUalität – IndividuALTERITÄT – ICHdividualität“ überwindet innerwortliche Grenzen und lässt die innerpersönlichen Grenzen verschwimmen.

Jenny Schwarze
Reflexionen im Seminar SCHWELLENKUNST
Eine Projekt des Satellit-Kunstverein und der experimentellen Kunstvermittlung
im Fach Kunst an der Universität Osnabrück

Das Schweigen des Routers

Die digitalen Collagen von Katharina Lehmann zeigen einen Beitrag zum Schwellenkunstseminar an der Universität Osnabrück im Jahr 1 nach Corona (2020).

Die Besonderheit ihrer Arbeiten begründet sich u.a. auch aus einem desfunktionalen WLAN Anschluß in Zeiten von Corona, Digitalseminaren und homeschooling. 

Kurzum in Zeiten, da andere auf lanbasierte Informationen zurückgreifen konnten, war sie auf sich selbst, ihre Digital-Camera und wachsende sowie werdende schwungparallele Linien auf der Mattscheibe ihres Computermonitors zurückgeworfen.

Der Satellit-Kunstverein publiziert zu Semesterende an dieser Stelle ihre symbolischen Strichkompositionen und Visualisierungen von Leitungen auf  Fotografien von menschenleeren Wohngegenden, da ihre Arbeiten das doppelte  Handycap spielerisch vergessen machen und anstattdessen Kommunikation visualisieren, die nicht, eingeschränkt oder nur symbolisch stattgefunden hatte.

 Digitalseminar - Internett  =  ( ? )

Der Satellit-Kunstverein versteht ihre Bilder dabei auch als ein vorweggenommenes Zeitdokument - eine Erinnerung an illustrierte  Kommunikation aus dem Jahr 1 nach Corona....in der Hoffnung, dass das Schweigen der Router ein Ende haben sollte.

Schematische Kontaktgrafiken aus einer Zeit der viralen Isolation belegen dabei bestes Krisenwetter bei blauestem Himmel.

....und das zurückhaltende Grün der symbolischen Router leuchtet noch kräftiger als die eingetrockneten Rasenflächen vor den Balkonen, auf denen zu anderen Zeiten gegrillt werden würfte.


Ruppe Koselleck
über Bilder, Striche und Schwellen
in der Arbeit von Katharina Lehmann.
 
...für #schwellenkunst und weitere
experimentelle Kunstvermittlungen im
Fach Kunst an der Unviersität Osnabrück

Montag, 3. August 2020

Corona-Mund goes viral!

Als ich im Rahmen des Schwellenkunst-Seminars an der Universität Osnabrück durch meinen Dozenten aufgefordert wurde, verschiedene Schwellen von privat und öffentlich zu sammeln, fiel mir auf, wie viele Schwellen ich in meinem „normalen“
Alltag ohne Corona überschritten habe und wie sich das während des Lockdowns und bis heute verändert hat.
Sticker in Osnabrück
Auch heute ist die erste räumliche Schwelle, die ich überwinde, die Türschwelle, die mich von meinem eigenen Zimmer in die Küche unserer WG bringt. Die Schwelle vom Hausflur auf die Straße überwinde ich ebenfalls jeden Tag. Jedoch habe ich seit fast einem halben Jahr weder die Schwelle zu einem der Seminarräume, noch zu einem Vorlesungssaal übertreten. Der universitäre Alltag steht still, die Universität ist geschlossen und die sozialen Kontakte fallen zu einem großen Teil weg.
Das Sommersemester 2020 fand nicht wie gewohnt analog in der Uni statt, sondern digital – jeder studierte in seinen eigenen vier Wänden. Hatte ich mich in den vergangenen Semestern noch über die lästige Anwesenheitspflicht beschwert, so fehlte mir nun der ganz normale Unialltag. Der Gang in die Mensa, die Freistunden
im Schlossgarten, das Lernen in der Bibliothek, der Unisport oder einfach ein Abend in meinem Lieblingsclub.
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Je Sticker ein Euro - jeder Sticker macht die Welt ein bisschen schöner.....

All das war nun gar nicht mehr, oder nur noch mit Einschränkungen möglich. Viele Kommiliton*innen blieben in der Heimat, die Mensa und die Bibliothek konnten und können immer noch nur nach Anmeldung betreten werden und Musikclubs wurden geschlossen oder stehen kurz vor der Pleite.
In Zeiten des Social-Distancing fühlen sich Begegnungen mit anderen Menschen oft seltsam an - irgendwie steif, weniger spontan als vorher - und auch das Übertreten von Schwellen hat sich durch das Corona-Virus verkompliziert. Ständig begleiten mich die Fragen: Halte ich genug Abstand? Muss ich eine Maske aufsetzen? Mit wie vielen Leuten darf ich mich treffen? Was erwartet mich in Zukunft? All diese Fragen strengen an und lösen in mir eine Sehnsucht nach Unbeschwertheit, Spontanität, Bewegungsfreiheit und Nähe aus.
Auf der Suche nach einem Symbol, dass diesen Gefühlen einen Ausdruck verleiht, stieß ich schließlich auf das Symbol des Mundes. Der Mund schien mir besonders geeignet zu sein, da er auf mehreren Ebenen eine Schwelle verkörpert. Er ist die
Schwelle vom Äußeren zum Inneren des Körpers, mithilfe des Mundes können wir Sprechen und so unseren Gedanken und Gefühlen Ausdruck verleihen. Somit stellt der Mund ebenfalls eine Schwelle der zwischenmenschlichen Kommunikation dar. In
der Werbung dient er oft als sinnliches Symbol, weil er auch eine Schwelle zur Intimität und Sexualität markiert.
Um all diese Aspekte zu integrieren, entschied ich mich bei meiner Darstellung für einen geöffneten Mund mit einer Zunge, die an der Oberlippe leckt. Meine Darstellung des Mundes erinnert den Betrachter vielleicht an eine  
Eiswerbung von Magnum oder das Logo der Rolling Stones. Der Mund wird in diesem Kontext mit positiven Aspekten wie Spaß, Lust, gute Laune, laue Sommerabende, Eis und Rock & Roll verbunden.
Um nun einen Bezug zur Corona-Pandemie herzustellen, fügte ich auf den Lippen und der Zunge kleine Viren ein. Die Viren sind erst bei näherem Hinsehen erkennbar, so wie die Corona-Viren mit dem bloßen Auge nicht gesehen werden können.
Trotzdem sind sie da und verbreiten sich durch Kontakt mit Anderen vor allem über Mund und Nase. Durch die Pandemie wird der Mund zu einer möglichen Quelle der Viren und seine symbolische Bedeutung erweitert sich. Galt der Mund zuvor noch als erotisches Symbol, dass Spaß und Lust vermittelte, wird er nun auch zu einer Art Virenschleuder, die zu einem Ansteckungsrisiko für jeden werden kann. 
 
Der Mund ruft also widersprüchliche Assoziationen im Betrachter hervor. Um möglichst viele Menschen mit dem „Corona-Mund“ zu konfrontieren, entschied ich mich dafür, Aufkleber mit meinem Motiv drucken zu lassen und diese im öffentlichen Raum an Laternen und Straßenschildern zu verteilen. So kann der
Sticker von Passanten bewusst, sowie unbewusst wahrgenommen werden. Die Botschaft des Stickers vermittelt sich nicht direkt und soll den Betrachteter zum Nachdenken anregen. Wer mehr über den Sticker erfahren möchte, kann sich aber über den Hashtag „schwellenkunst“ informieren. 
Durch die Verteilung des Stickers an verschiedenen Orten, verändert sich auch seine Bedeutung je nach Kontext anderer
Plakate und Sticker um ihn herum. Ein weiterer spannender Aspekt des Stickers ist, dass er sich wie das Virus quasi unbemerkt verbreitet und plötzlich an verschiedenen Orten auftaucht.
 
 
Ein Problem des Corona-Stickers ist jedoch, dass sich viele Passanten nicht die Zeit nehmen, den Sticker näher zu betrachten und die Botschaft somit nicht in jedem Fall vermittelt werden kann. Ich könnte mir vorstellen, noch weitere Sticker nur mit einem Virussymbol drucken zu lassen, um diese an verschiedenen Orten zu verteilen.
So würde ich Menschen auf die Verbreitung des Virus aufmerksam machen und sie daran erinnern, dass die Pandemie noch lange nicht vorbei ist, selbst wenn die Maßnahmen schon gelockert wurden.
Seminararbeit, Text und Bilder
von Leonie Vahl
für #schwellenkunst und weitere
experimentelle Kunstvermittlungen im
Fach Kunst an der Unversität Osnabrück
Titel: Corona-Mund
Technik/Maße:
Digital bearbeitete Zeichnung / Rund, Durchmesser 9,5cm
Kurzkonzept: Der Corona-Mund soll ein Symbol für die Schwellen sein, die wir vor Corona, ohne nachzudenken, übertreten haben und jetzt nicht mehr übertreten dürfen.